| Am Morgen geht es Richtung Telemark, also deutlich gen Süden. Erst einmal müssen wir in Odda tanken. Hier sind die Straßen bereits völlig begradigt. Alle Nase lang fährt man durch Tunnel, die sich in ihrer Länge übertreffen. Die Tunnel sind zumeist unbeleuchtet und grundsätzlich unbelüftet. So ein Tunnel ist nicht gerade der Traum eines Bikers. Man kann nichts sehen, es ist bitter kalt und es geht stur geradeaus.
Odda ist eine Industriestadt mitten in der Natur. Nach sechs Tagen Natur pur ist das ein Schlag. Wie Kaffee mit Salz oder Pizza mit Schokolade. Kohlehalden, Schrottlager, Ölfässer und Förderbänder. Also nichts wie weiter.
Wir entscheiden uns einmal mehr statt eines Tunnels die alte Bergstraße zu benutzen. Die Straße ist zum Teil nur zwei Meter breit. Nur einige Ausweichstellen lassen die Passage eines entgegenkommenden Fahrzeuges zu. In Røldal machen die Batterien von unserem Funk schlapp. Die Preise für dererlei Energiequellen sind in Norwegen erstaunlich. Sie sollten also in ausreichender Menge aus der Heimat importiert werden.
Nun erwischt uns doch noch ein 7 km langer Tunnel. Hinter Haukeligrend biegen wir Richtung Rjukan ab und befinden uns damit mitten in der Telemark. Zu bestaunen ist hier ein Geröllfeld in dem der ein oder andere Kiesel, groß wie ein Haus dicht an dicht herumliegt.
Wir fahren schon seit einiger Zeit dem Regen davon. Bis jetzt immer erfolgreich. Jetzt erwischt es uns aber voll. Wir sind reichlich durchgeweicht und entscheiden uns, ob der grauenhaften Regenwolken vor uns, den eben eingeschlagenen Weg wieder zurück zu fahren. In Haukligrend wird wieder getankt und aufgewärmt.
Da es ja im Süden bekanntlich wärmer ist, entscheiden wir uns, es einmal Richtung Setesdal, der Nord-Süd-Rennstrecke, zu versuchen. Es geht ziemlich flach zu und Kurven sind auch Mangelware, da es zudem auch noch fleißig weiter regnet, breche ich die Tagesstreckenbeschreibung hier ab.
In Valle wollen wir nächtigen, eine Hütte für DM 200 lehnen wir allerdings dankend ab. Da der Regen uns nicht gerade ermutigt unser Zelt aufzubauen, suchen wir weiter und finden eine Hütte für DM 50/Nacht. Diese Behausung ist allerdings wirklich nur als beheizter Regenschutz zu verstehen. Die 8 qm Hütte mit Dusche und WC über dem Hof, in einem alten Zirkuswagen schreit nach einer Aufmunterung in Form eines Sixpacks. Hier schließen die Geschäft aber schon um 16 Uhr und wir sitzen wieder auf dem trockenen, da auch die Tankstelle im Ort keine alkoholischen Getränke vertreibt.
So viel Frust erträgt der härteste Biker nicht. Da die Wettervorhersage für die nächsten Tage von Dauerregen spricht, entscheiden wir uns den Trip um einen Tag zu verkürzen und morgen in aller Frühe Richtung Oslo aufzubrechen.
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