233 km

Gaupne - Songdal - Hella \__/ Vangesnes - Vik - Vinje - Voss - Ulvik - Bruravik \__/ Brimnes - Kinsavik - Lofthus

Wir wachen auf und die Sonne scheint doch tatsächlich, und das soll auch den ganzen Tag so bleiben. Von Gaupne aus fahren wir am Fjord entlang Richtung Songdal. Die Straße windet sich durch Felsschluchten, über eine Hochebene und leider immer öfter auch mitten durch den Fels hindurch. Obwohl die alten Wege noch vorhanden sind, sind sie meist gesperrt. Ab Songdal geht's dann wieder am Sognefjord entlang. Der Sognefjord, übrigens mit seinen 180 km der Fjord, der am weitesten im Landesinneren wiederzufinden ist.

In Hella kann man sich dann entscheiden, mit welcher Fähre es weiter gehen soll: Richtung Küste oder wieder in die Berge. Klar, wir fahren wieder in die Berge. Erst warten wir aber mal auf die Fähre. Das ich fast mein Eis verschluckt hätte, als die alternden Wohnmobilisten wieder neben uns auftauchen, brauch' ich wohl nicht zu erwähnen. Wir erfahren, daß man schon seit zwei Monaten unterwegs ist und noch einiges vor sich hat. Neid!

Die Fähre braucht nur ein paar Minuten über den Fjord. Wir fahren weiter über eine schmale Straße nach Viksøyri (aussprechen kann ich das auch nicht). Den Tank voll und ab in die Berge. Wir halten noch einmal an einem Aussichtspunkt, an dem wir uns ziemlich aufdringlicher Schafe erwähren müssen, die, wie wir später erleben, aufgrund des internationalen Tourismus, verschiedene Sprachen beherrschen müssen und dies offenbar auch tun - sofern es um Nahrung geht.

Das neue Erlebnis an diesem Tag ist, meine Sommerhandschuhe in den Bergen nicht mit Attributen zu versehen, die außerhalb meines Helmes keiner hören sollte. Es ist nämlich tatsächlich recht warm, sonnig, kurvig und daher spaßig. Leider können wir zwischen Vinje und Voss nicht wie geplant Ziegenkäse kaufen, da es aufgrund des Sauwetters der letzten Tage noch an Ziegen mangelt. Das Molkereiprodukt, das wir später in Voss erstehen, nennt sich zwar auch Ziegenkäse, hat aber mit dem körnigen Original nichts zu tun. Geitost, wie der Käse in Landessprache heißt, ist eine braune, karamellartige, bröselige Masse mit einem süßlich, herben Geschmack, der zum Eingewöhnen in geringen Dosen genossen werden sollte.

Nach einem Imbiß an der N47 Richtung Granvin, setzen wir unseren Weg auf der alten Straße über Ulvik fort und umgehen damit einen 7 km langen Tunnel zwischen Granvin und Bruravik. Das schönste Stück ist dabei die Talfahrt in Ulvik, die über einige Serpentinen den Hang hinunter führt, wobei man während der ganzen Zeit einen herrlichen Blick über den Fjord hat. Mit der Fähre geht es Richtung Brimnes und von hier aus nach Lofthus.

Eine Fjordstraße mag für Autofahrer nervig sein; für Biker ist sie aber etwas ganz besonderes. Der Weg folgt meist direkt der Wasserlinie. Scharfe Ecken und langgezogene übersichtliche Kurven wechseln sich ab. Die weite, ruhige Wasserfläche bildet einen emotionalen Kontrapunkt zu den aufragenden Felsen.

Der Campingplatz in Lofthus liegt ca. 200m über der Wasserlinie des Sørfjorden, auf der Westseite der Hardangervidda. Von unserem, zudem noch leicht erhöhten, Zeltstandort haben wir einen irren Blick über den Fjord bis zum Folgefonngletscher. Die sanitären Anlagen sind die modernsten und saubersten, die uns auf unserer Fahrt begegnet sind. Für Getränke sollte frühzeitig gesorgt sein, da im Ort nach 18 Uhr nichts mehr verkauft wird, was ungewöhnlich für Norwegen ist.

Meine kurzen Beinkleider künden hier nicht von überdurchschnittlicher Härte, sondern von angenehmen Außentemperaturen. Das läßt uns auch den Abend mit Cola pur ertragen.