185 km

Åndalsnes - Trollstigen - Valldal \__/ Eidschal - Geiranger - Grotli - Bismo - Lom

Die Nacht war mit 3,9°C zu kalt für meinen Schlafsack und ich wärme mich am Morgen mit Duschmarken im Wert von locker DM15,-, in den hervorragenden sanitären Anlagen des Trollveggen-Camping, auf. Das Frühstück wird im Gemeinschaftsraum des Campingplatzes eingenommen, das Zelt im Regen abgebaut. Die Innenzelte komfortabel unter der Außenhaut, die Außenhaut in voller Regenbekleidung mit Helm. Gegen das Durchnässen der Handschuhe organisiere ich noch vier Plastiktüten, da wir uns entschlossen haben, uns lieber zum Horst zu machen, als alle 10 km die durchnäßten Sommerhandschuhe auf den Motorblöcken trocknen zu lassen.

Der vor uns liegende Tag sollte eigentlich der Leckerbissen der Tour werden: Den Trollstigen rauf fahren. Näheres ist unter Empfehlungen nachzulesen. In 11 Serpentinen auf eine Höhe von über 850m. Tolle Sache; wenn es nicht regnet - und wenn man was sehen kann - und wenn es weiter oben nicht anfängt zu schneien.

Bei Schneefall Moped zu fahren ist so ziemlich das nervigste was es gibt. Regen perlt wenigstens noch am Visier ab. Schnee bleibt haften. Und wenn man den weggewischt hat ist das Visier natürlich von innen beschlagen.

Kurz gesagt: Als wir auf der anderen Seite wieder ins Tal gefahren sind, habe ich mich gefreut, als es wieder zu regnen anfing. Zu der Fahrt ins Tal ist nicht viel zu sagen: Naß, kalt, gerade Straße nichts Tolles. In Valldal auf die Fähre. In Eidsdal wieder runter. Auf dem Weg nach Geiranger plötzlich der Hammer. Ein Tal, grüne Wiesen und mitten drauf gleichmäßig verteilt Steinchen, so groß wie Hochhauser. Ein wahnsinns Anblick; aber Vorsicht, nicht zu intensiv staunen - die Ziegen weichen nicht aus.

Der Hammer ist auch die anschließende Serpentinen-Talfahrt in den Geirangerfjord - wenn es nur eben nicht regnen würde.

Geiranger ist ein kleines Städtchen am Ende des Geirangerfjords - klar. Hier tobt das Leben wenn gerade ein Kreuzfahrtschiff anlegt, wenn man im Angesicht einer Hundertschaft Greiser von "Leben" sprechen kann. Im Moment war gerade keines da, aber dafür regnet es ja.

Wir verzichten heute auf das obligatorische Mittagessen aus der küchentechnischen Abteilung und werfen uns unter Mißachtung sämtlicher ökonomischen Grundregeln einen Hamburger ein. Danach gibt es am Anleger einen Kaffee und Raimund erklärt mir wo man den Dalsnibba sehen kann - wenn es nicht regnet. Daß man einen Flugzeugblick von dort oben hätte und daß der Fjord zum anfassen nahe wäre und ... es hat aufgehört zu regnen. Wir auf die Böcke und in die Berge.

Irgendwie wirkt die zwei Meter hohe Schneewand an der Seite der Straße gleich freundlicher, wenn die Sonne ein wenig scheint. Wir fahren die nächsten 80 km durch eine, wie üblich, vegetationsarme Hochebene. Jetzt dominiert wieder der Fahrspaß. Eine trockene Straße mit langgezogenen Kurven ist doch gleich was ganz Anderes.

In Lom wird das Zelt aufgebaut und das versäumte Mittagessen nachgeholt. Bei dieser Gelegenheit ein paar Worte zu unserer Ernährung:

Tütensuppen und Asia-Nudel-Snacks sind einfach zuzubereiten und vom Packmaß unübertroffen. Auf frisches, norwegisches Weißbrot achten wir täglich. Leicht gesalzene Butter und Ziegenkäse müssen auch immer vorhanden sein. Die Kaviarcreme, die Raimund in größeren Mengen in sich hinein schaufelt, bekomme ich erst nach zwei bis drei BB (Bikerbecher) Strohrum runter. Dieser ist nicht nur wegen seines Packmaßes zu empfehlen; auch das Zoll/Spaß-Verhältnis stimmt.

Der Abend wird wieder kalt. Wir wärmen uns am Gaskocher und schwören die nächste Nacht in einer Hütte zu verbringen.